"Schnee in der Neujahrsnacht" von Lillyflower | Schauspieler > Die Hobbit Stars (2022)

Hallo.

Diesen One-Shot widme ich Rubygirl1887
fuer ihr 100. Review bei meiner Story:

https://www.fanfiktion.de/s/4f0547ed0001fac406d01389/1/Loves-run-dry-Oder-Ein-Promi-kommt-selten-allein

Dies ist fuer dich :-)
Ich hoffe, es gefällt dir und du hast Spass beim Lesen.

Liebe Gruesse von Lilly

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„Verflucht, das nächste Mal kaufe ich weniger ein“ fluchte Richard, als er beim Versuch die drei vollgepackten Plastiktueten nebst drei einzelnen Päckchen zu stapeln, kläglich scheiterte.

Der kleine Turm fiel in sich zusammen und alles landete auf dem Asphalt.
In muehevoller Arbeit klaubte er alles wieder zusammen und wagte sich an einen erneuten Versuch.
Dieses Mal jedoch achtete er darauf alles so zu platzieren, dass nichts mehr runterfallen konnte.
Tatsächlich glueckte er irgendwann.
Doch kaum war er mit der gestapelten Pyramide auf dem Weg zum Auto, klingelte das Handy in seiner Jackentasche.
„Himmel Herrgott. Ist das denn auch möglich?“ Es war eindeutig nicht sein Tag heute.

Eigentlich wäre es sinniger gewesen im Bett zu bleiben. Verschlafen hatte er sowieso, also blieb das Fruehstueck aus, ebenso der dringend benötigte Koffein-Nachschub. Er war genau drei Stunden zu spät. Und genau jene Verspätung hatte dafuer gesorgt, dass er nun in grösster Hektik in den Läden Londons stöberte.
Ja, auch das war sein Fehler. Vermutlich war das ganze Jahr nicht seines. So vieles war nicht nach Plan gelaufen, so vieles schief gelaufen, dass er schon gar nicht mehr alles aufzuzählen wusste.
Er war, das erste Mal seit vielen Jahren, zu spät dran mit den Weihnachtsgeschenken. Fuer gewöhnlich kaufte er sie bereits viele Wochen vor dem Fest. Doch dieses Jahr war anders, alles war anders.
Nun musste er im Nach-Weihnachtlichen Schlussverkauf noch versuchen Geschenke zu organisieren.

Dabei hatte er es seit Wochen gewusst. Doch immer wieder hatte er den Vorsatz gleich am nächsten Morgen Geschenke zu kaufen einen Tag um den Anderen verschoben, wohlwissend, dass noch genug Zeit war bis Weihnachten.
Dabei glänzte er am eigentlichen Fest mit Abwesenheit.
Auch das war etwas Neues fuer ihn. Und eine Erfahrung, auf die er in Zukunft getrost verzichten konnte.
Das erste Weihnachten an dem er nicht Zuhause war.

In einem Punkt jedoch hatte er bereits dazugelernt.
Im dichten Gedränge der Grossstadt suchte er eine kleine Nische in einer Häuserschlucht. Dort stellte er den Geschenkestapel vorsichtig auf den Boden, ehe er dann umständlich in den Untiefen seiner Jackentasche nach dem klingelnden Mobilgerät tastete, ehe er es schliesslich in die Finger bekam und nach einem kurzen Blick auf das Display die Augen verdrehte.
Ja, er wusste es, er wuerde zu spät kommen. Er brauchte niemanden, der ihm das nun auch noch sagte.
Dennoch nahm er das Gespräch an.
„Hallo mein Lieblingsschwager,“ wurde er von einer fröhlichen Stimme begruesst.
„Luegnerin, ich bin dein einziger Schwager,“ knurrte Richard.
„Das Eine schliesst das Andere nicht aus, sag mal, hast du schlechte Laune, oder hat dir irgendwas die Petersilie verhagelt?“
Richard spuerte selber, dass er viel zu muffig klang. Also schloss er kurz die Augen und atmete tief durch.

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„Du hast recht, nein alles in Ordnung. Ich hatte die letzten Tage bloss viel zu viel zu tun.“
„Kein Problem, nun kommst du erstmal nach Hause und da kannst du dann etwas ausspannen. Abe freut sich uebrigens schon auf dich.“
Allein der Gedanke an seinen Neffen zauberte ihm ein breites Lächeln ins Gesicht.
„Ach und uebrigens, du kommst doch alleine, oder?“
Augenblicklich verfinsterte sich seine Miene. Was ist das denn fuer eine Frage? Wo seine Schwägerin genau Bescheid wusste.
Tatsächlich war Richard ueber Katies Frage keinesfalls angetan. Entsprechend spröde war seine Antwort.
„Ja, aber ich wuesste nicht, was das zur Sache tut.“
„Ach komm schon, es ist alles in Ordnung. Schaffst du es puenktlich?“
Richards Blick schweifte umher auf der Suche nach einer Uhr, ehe ihm einfiel, dass er selber einen Zeitanzeiger am Handgelenk trug. Ein kurzer Blick verriet ihm lediglich dass, was ihm eh schon klar war.
„Nein, nicht ganz. Aber ich bin unterwegs.“
Er konnte ein amuesiertes Lachen hören.
„Wunderbar. Dann bis später und fahr vorsichtig. Bei uns ist es ziemlich glatt.“

Nun konnte Richard endlich die Tueten nebst Päckchen erfolgreich ins Auto laden und nach einem kurzen Zwischenstopp fuer einen ´Coffee-to-go´ fuehrte ihn sein Weg endlich Richtung Huncote.
Die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle und so kam er lediglich eine Stunde später als geplant an.

Seine Wiedersehensfreude wurde einzig dadurch getruebt, dass es bereits nach Weihnachten war.
Dennoch waren der gesamte Vorgarten, sowie die Veranda und die Erker des elterlichen Hauses mit allerlei Weihnachtsdeko versehen. Richard schmunzelte, als er die beleuchteten Rentiere nebst Santa im Garten stehen sah. Und in diesem Moment fasste er den festen Vorsatz, ganz gleich was auch das kommende Jahr bringen möge, er wuerde das kommende Weihnachten Zuhause verbringen. Einfach, weil es ihn just gerade eben an die vergangenen Weihnachtsfeste erinnerte. Die fuer ihn so viel mehr bedeuteten. Nach Hause kommen, Heimat. Das heimelige Gefuehl von all den Menschen umringt zu sein, die ihm so viel bedeuten.

Kaum hatte er den Tuerklopfer bedient, hörte er bereits, noch bevor er ihn kommen sah, seinen ueber alles geliebten Neffen Abe.
„Mom, Onkel Rich ist da. Wow,“ ein Lächeln glitt ueber seine markanten Gesichtszuege und als die Tuere aufgerissen wurde, gab es fuer den kleinen Jungen im Inneren kein Halten mehr. Mit lautem Jauchzen warf er sich direkt in Richards Arme.
„Du bist da, du bist endlich hier,“ rief er immer wieder dass es seinem Onkel vor Ruehrung ganz warm ums Herz wurde.
Genau diese Momente hatten ihm so sehr gefehlt.

Ähnlich freudig wurde er auch von seiner Mutter, seiner Schwägerin und seinem Bruder Chris begruesst. Man spuerte, dass er vermisst wurde.
Natuerlich wurde er zuerst an den Tisch platziert, wo es auch schon Kaffee und Kuchen gab. Richard wäre diese Bemutterung beinahe schon unangenehm, wäre er nicht gerade in dieser wunderbaren Stimmung. Tatsächlich genoss er es an diesem Tag in vollen Zuegen.
Am Nachmittag dann endlich konnte er seine Geschenke verteilen. Und als er in die gluecklichen Gesichter seiner Liebsten blickte wusste er, dass es jede Anstrengung wert gewesen war.

„Wie lange wirst du bleiben? Doch mindestens bis zum Zweiten, oder?“ fragte ihn Chris, als Beide mit Eierpunsch versorgt, auf der Veranda standen.
„Ob ich bis zum Zweiten bleiben werde, weiss ich nicht. Aber bis Neujahr auf alle Fälle.“
„Das wirst du dann Abe erklären muessen“ schmunzelte Chris.
„Hat Katie etwa schon wieder zu ihm gesagt, dass ich länger bleibe? Sie ist unmöglich.“ Musste dabei jedoch auch lächeln.
„Du kennst sie doch. Natuerlich hat sie das, in der Hoffnung dich auf jeden Fall umstimmen zu können. Fuer den Fall, dass du nicht so lange bleiben wolltest.“
„Das wollen ist in dem Fall weniger das Problem.“
„Arbeit?“
„Ja. Aber ich kann versuchen einige Termine zu schieben, so dass ich bis zum Zweiten bleiben kann.“

Er wusste, wie gross die Freude wäre, die er seiner Familie damit machen wuerde. Sie wuerde alle Geschenke in den Schatten stellen. Er wuerde Diane, seiner Managerin eine E-Mail schreiben. Wenigstens das Jahresende sollte ein besseres sein, als das bisherige Jahr.

Die Stimmung im Hause Armitage war so entspannt und gelöst, dass die Stunden nur so dahin flogen. Seit langem nahm er sich einfach wieder die Zeit um mit seinem Neffen Abe zu spielen, gemeinsam mit seinem Vater und Bruder nach verschollenen Schätzen auf dem Dachboden zu suchen und ausgiebige Gespräche in der heimischen Kueche mit seiner Mutter und Katie zu fuehren.
Je mehr Zeit verging, desto mehr fiel ihm die Veränderung an seiner Schwägerin auf.
Es begann ganz unauffällig.
Ihr Blick schweifte immer öfter zur grossen Wanduhr. Wenn diese ausser Sicht war, so war es wahlweise die Armbanduhr oder die winzig kleine Uhr am Herd.
Da Richard nicht ununterbrochen um seine Schwägerin herum war, fiel es ihm zunächst auch gar nicht auf. Doch wann immer er ihr ueber den Weg lief, so bemerkte er es.
Zwei Tage vor Silvester schliesslich war sie nicht nur von grosser Unruhe befallen, sondern schien auch komplett nervös zu sein.

Bisher hatte Richard Katie so noch nie erlebt und konnte sich einfach keinen Reim darauf machen.
Auf seine Nachfragen hin, bekam er nur einsilbige Antworten oder Ausfluechte. Chris zuckte nur mit den Schultern und die absolute Ahnungslosigkeit seines Vaters glaubte er diesem auch. Einzig seine Mutter schien noch eine Ahnung zu haben, sagte aber nichts dazu.

Als die Uhrzeiger schliesslich auf drei Uhr des Nachmittags vorgerueckt waren, Richard war gerade bester Laune, läutete es an der Haustuere.
„Oh, erwartet ihr noch Besuch?“ richtete Richard seine Frage an seine Mutter.
„Nicht, dass ich wuesste. Vielleicht eine der Nachbarinnen? Richard machst du mal bitte auf?“
Dabei tauschte sie bedeutungsvolle Blicke mit Katie.
Katie war nurmehr nur noch ein einziges Nervenbuendel und wurde von Margaret in die Kueche geschickt.
Richard hingegen befolgte brav die Bitte seiner Mutter. Mit der halbvollen Gluehweintasse in der einen Hand und einem gluecklichen Lächeln im Gesicht öffnete er die Haustuere und ……
Erstarrte!!

Der erste Gedanke, der ihm durch den Kopf schoss war der, dass er dem Alkohol eindeutig in zu hohem Masse zugesprochen haben musste. Denn das konnte in keinster Weise Real sein.
Der zweite Gedanke war der, dass er schlief und gerade einen schlechten Traum durchlebte.
Doch auch hier musste er erkennen, dass dem nicht so war.

„Hallo“ hörte er nach einer ganzen Weile, in der er mit offenem Mund dagestanden hatte, eine tiefe Stimme.
Dann passierte lange Zeit gar nichts. Richard war einfach zu ueberrumpelt um einen klaren Gedanken zu fassen.
„Darf ich reinkommen?“ drang erneut diese, ihm so vertraute Stimme, an sein Ohr.
Viel zu ueberrascht um zu reagieren trat er einfach einen Schritt beiseite und liess den Gast ins Haus eintreten.
„Oh Luke. Hallo. Wie geht es dir?“ wurde seine Aufmerksamkeit auf seine Mutter gelenkt die den Neuankömmling lächelnd begruesste.
In jenem Moment fuehlte er sich eigenartig fremd. Ganz so, als wäre er nur ein unbeteiligter Zuschauer, der da aus der Ferne zusah. So, als wuerde es ihn gar nicht betreffen.
Doch die Realität holte ihn viel zu frueh mit der vollen Wucht ein.

Das da, in seinem Elternhaus war Luke Evans. Luke, der nicht einfach nur sein Kollege fuer eine solch lange Zeit gewesen war. Nein, sie hatten sich angenähert und aus einer innigen Freundschaft erwuchs irgendwann eine intensive Beziehung.
Die vor langer Zeit zerbrochen war. Und nun stand ausgerechnet jener Luke in seinem Elternhaus, wurde von seinen Liebsten umsorgt. Seine Mutter nahm ihm die Jacke ab, Abe die Tuete mit den Geschenken, Chris nahm ihn sofort in Beschlag und verfrachtete ihn auf das bequeme Sofa.
Katie brachte sofort eine Tasse mit heissem Tee und sein Vater hatte ihn soeben herzlich begruesst. Und Richard? Der war dem ganzen Tross wortlos ins Wohnzimmer gefolgt und benahm sich ansonsten so, als gäbe es ihn ueberhaupt nicht. Denn genauso fuehlte er sich die kommenden dreissig Minuten auch.

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Einzig Luke warf ihm hin und wieder einen nicht deutbaren Blick zu.
Erst, nachdem Luke mit dem mittlerweile vierten Eierpunsch versorgt war, verschwand die ganze Armada plötzlich in alle Himmelsrichtungen zerstreut.
Und ehe Richard begriff, war er mit Luke alleine.
„Hallo Richard,“ sagte nun Luke mit deutlicher Unsicherheit in der Stimme.
Einen Augenblick lang musterte Richard den unerwarteten Gast und fuer den Bruchteil einer Sekunde blieb er an dessen bernsteinfarbenen Augen hängen.
Doch dann straffte er seine Schultern.
„Was machst du hier?“ fragte er ohne Umschweife.
„Ich wollte zu dir,“ kam die ebenso schnörkellose Antwort von Luke.
„Woher wusstest du, dass ich hier bin?“

„Und du meinst, dass das eine gute Idee war?“ Chris blickte kritisch zu seiner Frau, nachdem er zuvor einen Blick ins Wohnzimmer riskiert hatte.
„Keine Ahnung. Das wird sich zeigen. Aber es ist ein Versuch wert, denkst du nicht auch?“
„Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung. Ich habe kein sehr gutes Gefuehl dabei.“
„Aber so wie es war, war es doch auch nicht gut. Also schlimmer kann es nun auch nicht mehr sein.“
Katie war sich dabei keineswegs mehr so sicher, wie sie vor ihrem Mann vorgab. Dennoch, und da war sie sich wirklich sicher, es musste sich etwas ändern.

„Deine Familie hat mich eingeladen“, liess Luke Richard wissen.
Richard wusste nicht, wie er diese Information verarbeiten sollte.
Seine Familie soll davon gewusst haben, mehr noch, sie sollen das Ganze initiiert haben?
Ohne sein Wissen?
Richard versuchte irgendeine Emotion aus Lukes Gesicht herauszulesen. Einen Anhaltspunkt der ihm Aufschluss ueber dessen Gemuetslage zuliess.
Doch einzig seine Augen verrieten, dass er nervös schien.
„Und du hast angenommen?“ Es sollte wie eine Frage klingen, geriet dann aber doch zur Feststellung.
„Ja, habe ich.“
„Warum?“

Diese Frage schien Luke sichtlich unangenehm zu sein.
„Weil ich deine Familie mag“ versuchte er sich dennoch an der Beantwortung.
„Und du wusstest dass ich hier bin, nicht wahr?“
„Ja, das wusste ich. Richard, hör mal, jetzt da wir uns wieder gegenueberstehen, können wir nicht versuchen miteinander auszukommen?“
Richard ignorierte Lukes Bitte.
„Bleibst du bis zum Abendessen?“
„Welches? Ich meine ich bleibe bis nach Neujahr.“
Richards Augen weiteten sich.
Dann, ohne ein Wort zu sagen, stuermte er aus dem Wohnzimmer, angelte sich seine Jacke vom Garderobenhaken und verliess sein Elternhaus.
So schnell hatte sich seine gute Laune in das Gegenteil verkehrt.
Bis vor einer Stunde war seine Welt noch in Ordnung. Er hatte sich Zuhause wohl gefuehlt und alles war so, wie es sein sollte. Doch Lukes Auftauchen hatte alles ins Chaos gestuerzt. Seine Offenbarung bis nach Neujahr bleiben zu wollen, hatte ihn schwindeln lassen.
Wieso Luke? Wieso ausgerechnet er? Wieso hatten seine Eltern den Waliser eingeladen? Was sollte das alles?

Gerade als seine Gedanken Achterbahn fuhren, meldete sich ein Handy. Es dauerte einige Momente ehe Richard realisierte dass der Klingelton ihm deswegen bekannt vorkam, weil es seines war. Dann noch einige Momente ehe er bemerkte, dass es sich die ganze Zeit in der Jackentasche befand.
Seit seiner Ankunft hatte er keinen Blick mehr darauf geworfen.
Es war Katie.
Knurrend nahm er das Gespräch an.
„Was?“
„Ist alles in Ordnung bei dir?“
„Wieso?“
„Weil du vorhin so aus dem Haus gestuermt bist.“
„Was erwartest du? Ich mein ja, bis heute Mittag ging es mir blendend. Bis zu dem Moment als mein Ex-Freund vor der Tuere stand und nun offenbar meine Familie okkupiert hat. Aber danke der Nachfrage, alles gut.“
Im Hintergrund hörte er leise Stimmen.
„Hör mal Rich, das war keine böse Absicht….“
„Also wusstest auch du davon,“ schnaubte er wuetend.
„Um ehrlich zu sein, war es meine Idee. Deine Eltern haben nur zugestimmt.“
Mit einem Mal fuehlte er eine grosse Ohnmacht und zeitgleich Schwäche in sich aufsteigen.
Wollte er noch gerade eben seine Schwägerin zur Rede stellen so wollte er nun nur noch seine Ruhe.
„Ich verstehe es nicht. Was soll das denn?“
„Nun komm doch wieder nach Hause, dann können wir darueber in Ruhe reden.“

Es dauerte noch fast zwei Stunden, ehe Richard wieder in seinem Elternhaus auftauchte.
Dort erwartete ihn ein verstörendes Bild, welches beinahe dazu gefuehrt hätte, dass er erneut die Flucht ergriffen hätte.
Auf dem Wohnzimmerfussboden lag Abe, neben ihm sass Luke und gemeinsam werkelten sie an einem grossen Puzzle.
Es war keine fuer ihn neue Szene und genau das war der springende Punkt. Ein seltsam vertrautes Bild friedlicher Einigkeit und Harmonie.
Abe hatte Luke damals nahezu augenblicklich in sein kleines Herz geschlossen. Und scheinbar war er bis heute nicht bereit ihn daraus zu entlassen. Denn sein strahlender Blick sagte mehr als tausend Worte. Und der Groll der sich in Richard aufgebaut hatte auf seinen Kollegen hatte sich binnen Sekunden in wohlwollendes Nichts aufgelöst. Abes Lachen liess ihn automatisch mitlächeln.
Eine Hand legte sich auf seine Schulter.
„Die Beiden spielen seit deinem Weggang. Abe scheint das vermisst zu haben.“
Das Chris dabei eigentlich eher Luke meinte der vermisst wurde, liess er vorsichtshalber aussen vor.
Margaret hatte ihrem Sohn einen warmen Kaffee gebracht.
„Schön, dass du wieder da bist. Hier, das wird dich aufwärmen.“

Ueber seinen Frust hatte Richard gar nicht bemerkt, wie kalt es draussen wirklich war.
Nun fröstelte es ihn merklich.
Die Stimmung beim Abendessen war seltsam. Seine Familie nahm Anteil an Lukes Leben, fragte nach den neuesten und geplanten Projekten und wie es ihm sonst so ging.
Richard blieb stumm, doch erfuhr er auch so das Neueste aus Lukes Leben. Denn weghören war unmöglich.
Ihm entgingen auch nicht die verstohlenen Blicke, die sein ehemaliger Freund ihm immer wieder zuwarf. Doch war er nicht fähig auch nur einem standzuhalten.
Sobald diese gruen-braunen Augen seinen Blick einfingen, begann es in seinem Bauch verdächtig zu rumoren und er senkte schnell seinen Blick.

Wie sollte er die Tage nur ueberleben? Am besten wuerde er versuchen Luke aus dem Weg zu gehen. Was leichter gesagt war als getan. Immerhin hatte seine Mutter, fuersorglich wie sie war, das Gästezimmer fuer Luke vorbereitet.
Doch hielt er sich an seinen Vorsatz und mied jede Situation in der er hätte Luke alleine gegenueberstehen können.
Doch auf seine naseweise Schwägerin war wie immer Verlass.
Dies bekam Richard am Tage vor Silvester am eigenen Leib zu spueren.
„Es tut mir wirklich leid, aber ich habe den Truthahn vergessen abzuholen. Mom hat ihn beim Metzger bestellt und nun muss er abgeholt werden. Könntest du das vielleicht erledigen? Oh Rich, ich bin dir ja so dankbar.“
Mit diesen Worten wurde er von Katie schon durch den Flur geschoben und immer weiter in Richtung Haustuere.
„Sag einfach den fuer Familie Armitage, er weiss dann schon Bescheid. Danke, du hast was gut bei mir. Bis später.“
Schon hatte sich die Haustuere hinter ihm geschlossen.
Noch etwas ueberfahren machte er sich auf den Weg zum Auto.
Dort fiel ihm erst auf, dass etwas nicht stimmte, als er die Autotuere aufschliessen wollte und sie bereits offen war.
„Was machst du denn hier?“
„Ich muss noch etwas fuer deine Mutter im Supermarkt besorgen.“
Richard fasste sich an den Kopf.
„Das ist doch einfach nicht wahr.“
„Kommt niemand mit?“
„Nein, offensichtlich nicht. Nur ich.“

Richard wollte nicht mit Luke in einem Auto sitzen. Er wollte keine Minute länger als nötig mit ihm alleine verbringen.
Eigentlich wollte er ueberhaupt keine Zeit alleine mit ihm verbringen.
Am liebsten hätte Richard das Auto wieder verlassen und zurueck ins Haus. Aber als ihm der Gedanke seiner enttäuschten Mutter in den Kopf kam, entschied er sich dagegen. So eine kurze Autofahrt nach Leicester wuerde er wohl ueberleben.
Die Fahrt verlief in völligem Schweigen.
Richard besorgte den Truthahn, während Luke die Besorgungen im Supermarkt erledigte.
Auf der Rueckfahrt begann es dann unerwartet zu regnen.
Die Fahrbahn wurde zusehends glatter und schwieriger zu bewältigen.
Kurze Zeit später nahm Richard in einiger Entfernung die Bremslichter eines vorausfahrenden Autos wahr. Direkt im Anschluss die eingeschaltete Warnblinkanlage.
„Vielleicht ein Unfall?“ fragte Luke.
Tatsächlich staute sich der Verkehr, ehe schliesslich gar nichts mehr ging. Sie standen im Stau. Luke, der ausgestiegen war um vorne nachzusehen kam missmutig dreinblickend zurueck.
„Ein Unfall. Mehrere Autos sind ineinander gefahren. Beide Fahrspuren komplett blockiert. Hier warten wir mindestens zwei Stunden, wenn nicht noch länger.“
Richard schlug aufs Lenkrad.
„So ein verfluchter Mist. Was ist das denn fuer ein scheiss?“
„Gibt es denn keinen anderen Weg? Irgendeinen Feldweg oder Nebenweg den wir fahren könnten?“

Richard blickte auf.
„Doch, ja natuerlich. Wir könnten ueber die alte Larens Farm und dort ueber die ehemalige Talsperre, am Missionshaus vorbei.“
„Dann lass uns den Weg nehmen, sonst kommen wir heute nirgends mehr hin.“
Richard wendete das Auto auf der Strasse, fuhr dann einige Kilometer zurueck ehe er einen kleinen Nebenweg ansteuerte.
Diesem folgten sie eine Weile, ehe der sich erneut gabelte.
„Bist du dir sicher, dass wir hier entlang fahren sollten?“ Luke zog skeptisch seine Augenbrauen in die Höhe.
„Hast du eine bessere Idee?“
„Nein, ich kenne mich hier schlieslich nicht aus. Aber der Weg sieht nicht gerade sicher aus.“
Tatsächlich fuehrte der Weg, der mehr ein Feldweg war, eine kleine Senke hinunter. Der feine Spruehregen hatte die Fahrbahn vereisen lassen.
Trotz Lukes Einwände fuhr Richard im Schritttempo die Senke hinunter. Sie waren noch keine fuenfhundert Meter gekommen, als das Auto ins Rutschen geriet.
Luke griff panisch nach dem Haltegriff oberhalb der Autotuere.
„Oh mein Gott Rich, fahr langsam.“
„Tue ich ja.“
Richard hatte alle Hände voll zu tun um das Auto halbwegs auf der Strasse zu halten.
„Wir sollten umdrehen, bitte.“

Und tatsächlich kam Richard diesesmal Lukes Bitte nach. Er versuchte das Auto zu wenden. Doch es war unmöglich die Steigung zu nehmen, ihnen fehlte schlichtweg der Schwung.
„Scheisse. Wir sitzen hier fest. Wir muessen versuchen den Weg weiterzufahren um vorne wieder rauszukommen.“
Hätten beide geahnt, was da noch auf sie zukommt, sie hätten es sein lassen.
Denn nach dieser Senke folgten mehrere Steigungen, ehe es wieder abwärts ging.
Bei der dritten Steigung rutschte der Wagen immer wieder seitlich. Sie hatten keinen Gripp unter den Rädern. Richard versuchte es wieder und immer wieder, solange bis er sich komplett festgefahren hatte.
„Wir hängen fest“ stellte Luke ueberfluessigerweise fest.
„Ach nein. Darauf wäre ich nie gekommen.“ Richard war wuetend.
„Ich schiebe an.“
Und noch bevor Richard einen erneuten Wutanfall bekommen konnte, war Luke bereits dem Wagen entstiegen.
Er kannte seinen ehemaligen Partner gut genug und wusste, wenn der mal so wuetend war, dann verhiess das nie etwas Gutes.
Richard war selten aufbrausend und noch seltener wuetend. Und noch seltener zeigte er seine Wut so offen wie jetzt.
Natuerlich war ihm klar gewesen, dass sein Auftauchen Richard nicht gerade ein Feuerwerk an Freude entlocken wuerde.
Doch mit einer solch offenen Ablehnung hatte er nicht gerechnet. Dabei hatte er gehofft dass er die Wogen zwischen ihnen wieder wuerde glätten können.
Richard schien anscheinend andere Pläne zu haben. Bislang hatte der sich jedem Gespräch verweigert.

Also verliess er die Gefahrenzone und versuchte sich nuetzlich zu machen.
Richard gab Gas und auf Kommando schob Luke von hinten an.
Nach etlichen Versuchen war er kurz davor aufzugeben.
Das Gefährt bewegte sich keinen Zentimeter.
„Ich versuche rueckwärts rauszukommen. Ich gebe Gas und du schiebst von vorne.“
Luke stapfte durch das seitliche Dickicht und platzierte sich vor das Auto.
Richard gab immer wieder kurz Gas und Luke schob in kurzen Abständen ruckartig an.
Nach schier endlosen Versuchen glueckte Richard schliesslich und das Auto war frei.
Nun fuhren sie rueckwärts um Anlauf zu nehmen. Mit beinahe mörderischer Geschwindigkeit jagte Richard das Auto die Steigung hinauf. Luke schloss ängstlich die Augen und betete heimlich, dass es gut gehen möge. Nach drei weiteren Versuchen hatten sie es schliesslich geschafft.
Der Waliser atmete tief durch. Laut dem Navi waren es nur noch knapp 1 1,5 Kilometer bis zur Strasse an der das Missionshaus stand.
Nun wuerden sie es schaffen.
Leider hatten sie die Rechnung ohne die Strasse gemacht.
Denn vor der Kreuzung die sie zur Hauptstrasse fuehrte kam eine erneute Steigung. Und die war mittlerweile spiegelglatt. So oft sie es auch versuchten, weiter als bis zur Hälfte kamen sie nicht. Jeder weitere Versuch endete darin, dass sich das Auto quer stellte.
Irgendwann gab Richard mit einem entnervten Schrei auf.

Wuetend stieg er aus dem Auto und schlug die Tuere so heftig zu, dass das ganze Gefährt wackelte.
„Oh so eine verfluchte scheisse. Was passiert denn noch alles? Ich hab keinen Bock mehr.“
„Versuchen wir einfach den Weg zurueck.“
„Sei bloss ruhig. Du bist doch an allem Schuld.“
„Ich? Wer wollte denn die Abkuerzung nehmen?“
„Es war deine verdammte Idee um dem Stau zu entkommen. Schon vergessen? Hätte ich bloss nicht auf dich gehört. Es war schon immer eine schlechte Idee auf dich zu hören.“
Luke klappte die Kinnlade nach unten.
„Hallo? Ich kenne mich hier doch gar nicht aus. Du kennst doch die Wege. Wieso bist du hier lang gefahren? Du musst doch wissen wie steil es hier ist.“
„Das ist schon eine Ewigkeit her. Und hättest du nicht gesagt wir sollen eine Abkuerzung nehmen wäre ich auf der Hauptstrasse geblieben.“
„Wieso gibst du mir jetzt die Schuld? Geht es dir damit nun besser, ja?“
„Nein, alles was mit dir zu tun hat macht es nur noch schlimmer.“
„Oh vielen Dank auch. Weisst du was, lass mich einfach zufrieden.“
„Das hatte ich vor, wärst du nicht bei mir aufgetaucht.“

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Wuetend stieg Luke ins Auto. So etwas musste er sich nicht sagen lassen. Nicht von Richard.
Der reagierte sich noch etliche Minuten am nächstgelegenen Baum ab, ehe er wortlos ins Auto kletterte und den ganzen Weg zurueck fuhr. Dabei jedoch keine Ruecksicht nehmend auf Lukes Ängste, der sich haltsuchend am Griff festklammerte.
Nun standen sie vor jener Steigung, die sie vor ueber einer Stunde nach unten gefahren waren.
Richard nahm Anlauf und…..
Schlitterte nach nicht einmal zehn Metern. Nach weiteren Versuchen gab er frustriert auf.
Sie hatten keine Möglichkeit nach oben zu fahren.

Es dauerte etliche Minuten ehe Luke die Erkenntnis wie ein Fausthieb traf.
„Wir sind gefangen,“ keuchte er.
„Offensichtlich. Irgendwelche Ideen?“
„Ich? Im Leben nicht, sonst bin ich nachher wieder Schuld.“
Richard knurrte irgendwas unverständliches vor sich hin, dann verfielen sie in Schweigen.
Kurz darauf kam Luke die eigentlich nahe Gelegenste Idee und verfluchte sich innerlich dafuer, dass er da nicht schon frueher drauf gekommen war. Er kramte das Handy aus seiner Hosentasche und erstarrte.
„Wir haben keinen Empfang.“
„Wunderbar. Ach ist es nicht herrlich? Wir sitzen einen Tag vor Silvester mitten in der Wallachei fest und haben keinen Handyempfang. Wenn das kommende Jahr auch nur halbwegs so läuft wie dieses, kann es schlechter nicht mehr werden.“
Luke ärgerte sich ueber Richards Ironie in dessen Worten. Konnte sich einen Kommentar jedoch nicht verkneifen.
„Und was machen wir nun, grosser Meister? Du scheinst ja die besseren Ideen zu haben.“
„Es war deine Idee hier entlang zu fahren. Nicht meine. Aber das war schon immer so. Jedesmal wenn ich auf dich gehört habe, gab es Chaos. Wieso lässt du mich nicht einfach zufrieden? Reicht es nicht schon, was war?“
„Jetzt mach mal halblang. Es war deine Idee. Punkt. Du kennst dich hier aus, nicht ich. Wenn du einen Weg entlangfährst, gehe ich davon aus, dass du weisst wohin der fuehrt. Und mit dem Rest weiss ich nicht, was du meinst. Wenn ich mich recht erinnere warst du derjenige, der die Beziehung fuer beendet erklärt hat.“

Sie stritten sich wie die Kesselflicker während ueber ihnen die Nacht hereinbrach.
Irgendwann war es Luke leid ständig dagegenzuhalten und gab irgendwann entnervt auf.
„Fein, du hast recht, und ich meine Ruhe. Können wir jetzt ueberlegen, was wir tun? Eine Nacht im Auto ist wohl definitiv zu kalt. Ausserdem haben wir nicht mehr so viel Sprit, dass wir das Auto eine ganze Nacht lang laufen lassen können.“
Tatsächlich war durch diese ganzen Versuche und Gas geben- bremsen bereits das rote Lämpchen angesprungen.
„Ich nehm mein Handy und suche nach Netz. Sobald ich Empfang habe, rufe ich den Pannendienst,“ erklärte Richard nach einer Weile.
„Ich komm mit.“
„Nein, du bleibst. Ich brauch meine Ruhe.“

Richard ging und Luke fuegte sich.
Mit jeder Minute, die verstrich wurde er unruhiger.
Irgendwann nahm seine Unruhe ueberhand und er zuendete sich eine Zigarette ein, die er in den Untiefen seiner Jackeninnentaschen gebunkert hatte. Nur fuer den Fall….
Eigentlich hatte er sich das Rauchen abgewöhnt, aber das hier war eindeutig nur mit Zigarette zu ueberleben.
Richard war nunmehr seit anderthalb Stunden weg und Lukes Sorge wuchs ins schier unermessliche. So lange konnte es doch unmöglich dauern Netz zu bekommen.
Was, wenn ihm etwas passiert wäre?
Es gab hier zwar keine wilden Tiere, soweit er wusste, aber was, wenn er auf dem spiegelglatten Weg ausgerutscht ist und nun irgendwo in der Botanik lag? Niemand wuerde ihn so finden. Niemand wusste, dass sie sich hier befanden.
Gerade als er fuer sich beschlossen hatte, selber loszuziehen, sah er in einiger Entfernung ein Licht.
Laute Geräusche wie von einem Motor. Dann erkannte er, dass die Lichter langsam aber stetig näher kamen.
Ein wahrer Felsbrocken fiel von ihm ab, als er einen Traktor mit Schneeketten erkannte.
„Da habt ihr euch ja ein schönes Wetter ausgesucht. So schlimm war es seit Jahre nicht mehr. Musste erstmal die Schneeketten aus dem Schuppen hervorkramen,“ liess ihn ein Mann mittleren Alters wissen.
„Wo ist Richard?“
„Der kommt gleich, ist zu Fuss gelaufen.“

Tatsächlich tauchte der Schwarzhaarige einige Minuten später in Lukes Gesichtsfeld auf.
„Keine Ahnung, ob das hier funktioniert, ich werde erst alleine versuchen hochzufahren.“
Der Farmer entfernte sich mitsamt dem Traktor.
„Was ist passiert?“ Luke konnte seine Sorge in der Stimme nicht verbergen und wollte das auch gar nicht.
„Frag nicht. Furchtbar. Weit und breit kein Empfang. Ich musste bis in den nächstgelegenen Ort laufen. Beim ersten Haus hat niemand geöffnet, weitere Meilen gelaufen bis zum nächsten Haus. Dort hat man mir dann geöffnet. Der nette Mann hat dann seinen Nachbarn Paul angerufen, der hat einen Traktor. Nur das Nachbar eben einige Meilen entfernt bedeuteten. Ich bin dann schonmal losgelaufen und kurz vor der Einbiegung bin ich dann auf Paul getroffen. Er musste erst noch nach den Schneeketten suchen.“
„Bin ich froh, dass dir nichts passiert ist.“ Dabei warf er Richard einen intensiven Blick zu, der dem Briten durch und durch ging.
„Passiert?“ Seine Stimme klang dabei unsicherer als gewollt.
Luke fuehlte sich unter Richard Blick zunehmend unsicher.
„Naja du hättest ausrutschen können, irgendwo im Graben liegen können.“

Gerade als Richard etwas erwidern wollte, hörten sie das Gebrummel des Traktors.
„Alles klar, ich denke wir schaffen das. Ich zieh euch hoch, ihr solltet aber mithelfen, dann muesste es funktionieren.“
Alle drei befestigten die schwere Metallkette am hinteren Teil des Traktors, während sie es vorne unterm Auto vertäuten.
Richard setzte sich hinters Steuer, während Luke sich bereits wieder an der Tuer festklammerte.
Ein strammer Ruck, dann setzte sich die kleine Kolonne in Bewegung.
Im Schritttempo fahrend nahmen sie die Steigung. Alles funktionierte wie es sollte. An einer besonders glatten Stelle schickte Luke unentwegt Stossgebete gen Himmel. Ehe ihn eine tiefe Stimme aus seiner Trance holte.
„Du kannst loslassen und Gott wieder einen guten Mann sein lassen, wir sind oben.“
Luke öffnete die Augen und erkannte, dass sie wieder oben an der Weggabelung standen. Zeitgleich realisierte er nach Richards Worten, dass er dessen Hand umklammert hielt. Jedoch diese augenblicklich zurueckzog.
„Tut mir leid“ murmelte er verlegen. Jeden Blickkontakt krampfhaft unterbindend.
Richard lächelte versonnen vor sich hin.
Nachdem sie sich ausgiebig bei Paul bedankt hatten, fuhren sie zunächst zur Tankstelle ehe sie schliesslich wieder wohlbehalten in Huncote ankamen.

„Himmel, wo wart ihr denn? Chris wollte gerade einen Suchtrupp losschicken,“ Katies Blick drueckte ehrliche Sorge aus.
Bei einer Tassen heissen Tees erzählten sie von ihrem kleinen Abenteuer.
Luke versuchte den Blicken Richards zu entgehen. Aber irgendetwas hielt ihn davon ab.
Irgendetwas zwang ihn, immer wieder in diese blauen Augen zu blicken. Die nun gar nicht mehr wuetend wirkten.
Vielleicht täuschte er sich, und es war lediglich die Erleichterung, die man Richard nun deutlich anmerkte.
Er selber verabschiedete sich fruehzeitig ins Bett. Zuviel war an diesem Tag passiert.
Doch der Schlaf wollte sich lange nicht einstellen. Immer wieder hielt ihn der Gedanke an Richard wach. Ihre Streitigkeiten, Richards Wut. Aber auch seine Blicke, die ihn ganz warm ums Herz werden liessen und diese blauen Augen.

Silvester und die ganze Familie war bester Laune. Abe wechselte ständig von Richards Schoss zu Luke und wieder zurueck. Er liess es gar nicht erst zu, dass sich einer von Beiden absonderte.
Und Luke wollte dies auch gar nicht, wenn er ehrlich war.
Irgendwas hielt ihn stetig in Richards Nähe.
Waren es diese Blicke, die dieser ihm ein ums andere Mal zuwarf? Oder die Stimmung, die so gelöst war?
Oder gar der Eierpunsch mit dem er stetig versorgt wurde? Was auch immer es sein mochte, er begann sich endlich wieder wohl in diesem Haus zu fuehlen.
Mittags half er sogar Margaret beim Braten zubereiten.-
„Und? Alles gut ueberstanden?“ fragte ihn Katie.
„Hm? Was? Achso ja. Alles in Ordnung. Ich hoffe ich fange mir keine Erkältung ein. Im Auto war es schweinekalt.“
„Wer weiss, vielleicht findest du ja jemanden, der dich gesundpflegt.“
Luke war zunächst zu verwirrt um zu reagieren, dann wurde er auch schon von Abe in Beschlag genommen, der unbedingt mit ihm und Richard gemeinsam Memory spielen wollte.

„Meinst du es geschieht noch?“
„Was meinst du?“
„Das kleine Neujahrswunder?“
Die Blicke beider Frauen huschten immer wieder ins Wohnzimmer.

Der ganze Tag verlief friedlich und ohne Zwischenfälle.
Abends gab es Bowle und es wurden viele Spiele gespielt.
Ehe Chris dann noch Bleigiessen auf den Tisch brachte.
Zuerst war er an der Reihe-
Mit einem lauten Zischen landete das Blei in kaltem Wasser.
„Was ist das denn?“
Alle verdrehten und verrenkten sich die Köpfe um das Gebilde zu erkennen.
„Das ist eine Banane, eindeutig“ konstatierte Richard, ehe Luke nach dem Papier mit dem Orakel angelte.
„B….B… da! Banane. Ha, wie passend. Du sollst keine krummen Dinger drehen. Du willst dir nicht viel Arbeit machen und nimmst es mit den Regeln nicht so genau, irgendwann wirst du auffliegen.“ Dabei grinste Luke breit.
„So ein Unsinn, komm gib mal her.“
Doch er musste einsehen, dass das tatsächlich da stand.
Alls nächstes war Katie an der Reihe. Bei ihr sah es aus wie ein…
„BH, ganz sicher.“
„Und was bedeutet das? Heisse Nächte vorprogrammiert?“ fragte Chris grinsend.
„Von wegen. Vortäuschung falscher Tatsachen, aha. Vieles ist nicht so, wie es auf den ersten Blick scheint,“ erklärte John.
„Vieles lässt sich vertuschen oder besser präsentieren als es ist.“
„Ja danke auch. Sehr nett. Als hätte ich etwas zu vertuschen.“
„Wer weiss, viele Frauen haben Geheimnisse.“

Als Luke an der Reihe war, war es an Chris, vorzulesen.
„Bild, oh!“ dabei gingen seine Augenbrauen steil.
„Was? Was steht denn da?“
Chris blickte in die Runde, ehe er weiterlas.
„Bild, ab und zu solltest du dir Zeit fuer einen Blick zurueck nehmen.“
Sein Blick glitt zu Richard und Luke.
„Gute Erinnerungen geben Mut fuer die Zukunft. Schlechte helfen, Fehler nicht zu wiederholen. Lerne aus der Vergangenheit.“
Eine Weile herrschte Schweigen. Luke konnte deutlich Richards Nachdenklichkeit spueren. Sie sassen dicht beieinander und jeder war mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt-
Erst als Margaret mit dem Tischfeuerwerk kam, lockerte sich die Stimmung.

Kurz vor Mitternacht ging Richard nach oben in Abes Kinderzimmer und weckte seinen kleinen Neffen. Denn, und das hatte dieser ausdruecklich so bestimmt, er wollte beim Feuerwerk dabei sein. Ansonsten wäre er nicht ins Bett zu bekommen gewesen.
So kam Richard mit einem mueden Abe ins Wohnzimmer.
In dem Moment als Luke seinen Kollegen so innig mit dessen Neffen sah, wurde ihm ganz warm.
Wieso nur hatte es damals enden muessen?!

Richard spuerte einen intensiven Blick auf sich ruhen. Als er den Kopf hob, verfing sich sein Blick mit Lukes Augen, die ihn intensiv musterten.
Augenblicklich begann es in seinem Magen zu kribbeln.

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Katie war den Blicken gefolgt und lächelte nun still vor sich hin.

Fuenf Minuten vor Mitternacht ging die ganze Familie Armitage nach draussen.
Vereinzelt hörte man Feuerweksschuesse von jenen, die Mitternacht nicht abwarten konnten.

Richard hatte sich seitlich ans Geländer der Veranda gelehnt und blickte in den sternenklaren Nachthimmel.
„Und? Irgendwelche Vorsätze fuers neue Jahr?“ Luke war neben ihn herangetreten und war seinem Blick gefolgt.
„Ja, ich denke schon.“
„Und? Was hast du dir vorgenommen?“
Richards Blick wandte sich ab vom Sternenhimmel, dafuer fixierte er nun Luke.
„Aus der Vergangenheit zu lernen und nicht dieselben Fehler ein zweites Mal zu machen. Vielleicht auch die Möglichkeit einer zweiten Chance nutzen.“
Während seiner Worte entliess er Luke keine Sekunde aus seinem Blick.
„Wie, wie meinst du das?“ brachte Luke einige Augenblicke später heiser hervor.
Richard drehte sich nun ganz zu Luke um, so dass er dicht vor ihm stand.
„Ich glaube, ich habe dieses Jahr einen grossen Fehler begangen. Ich glaube aber auch, dass ich noch im selben Jahr daraus gelernt habe. So dass ich ihm neuen Jahr so einen Fehler nicht wieder machen wuerde.“
Lukes Bauch begann verdächtig zu rumoren und noch ehe er sich stoppen konnte, verliessen die folgenden Worte seinen Mund.
„Ich glaube, dass ging nicht nur dir so. Richard, ich…..“
„Sch!“ wurde er von Richard unterbrochen, der ihm zuerst einen Finger auf die Lippe legte und dann seinen Mund seinem Finger folgen liess.

„10….9….8…!“

Luke war zunächst wie erstarrt, erwiderte dann aber Richards Kuss. Zuerst noch vorsichtig, aus Angst es wuerde sich um einen Traum handeln und er jeden Moment daraus erwachen, doch dann mutiger.

„7….6….5....!“

Er öffnete seine Lippen und langsam fand Richards Zunge in seinen Mund.
Beide zu Beginn langsam und tastend. Doch schnell wurde der Kuss intensiver.
Doch da war etwas, was Luke noch unbedingt loswerden musste.

„4….3….2...!“

Er unterbrach den Kuss kurz, löste sich ein wenig und blickte in Richards tiefblaue Augen, die im Moment in der Dunkelheit nahezu zu leuchten schienen.
„Richard, ich liebe dich.“
Einen bangen Moment lang passierte gar nichts. Doch dann…

„Ich liebe dich auch, mein verrueckter Waliser“.

„1….. Frohes Neues Jahr!“

Um Luke und Richard herum explodierten die Raketen und Feuerwerke erhellten den Nachthimmel.
Doch die Beiden bekamen davon nichts mit. Denn erneut waren sie in einen innigen Kuss versunken.
Katie, die sich suchend nach Richard umgesehen hatte, nachdem sich alle in den Armen gelegen hatten, bis eben auf Luke und Richard, lächelte nun ueber beide Ohren.

„Scheint so, als sei es doch noch eingetroffen. Dein Wunder in der Neujahrsnacht.“
In dem Moment öffnete der Nachthimmel seine Schleusen und es begann dicke, weisse Flocken zu schneien.
Abe war hellwach, und drehte sich wie wild im Kreis bei dem Versuch die Schneeflocken mit dem Mund zu fangen.
Katie blickte liebevoll ihren Mann an.
„Ja, vermutlich hast du recht. Es gleicht einem kleinen Wunder.“

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Es war ein Bild friedlicher Einigkeit. Tatsächlich hatte Richard aus seinen Fehlern gelernt. Er wuerde seine Liebe nie wieder gehen lassen

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Author: Arielle Torp

Last Updated: 10/18/2022

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